Name:
Dr. Dirk Bessau
Unternehmen:
KIC InnoEnergy Germany GmbH, Berlin
Funktion:
Leiter Büro Berlin/Business Development

WESENTLICHES?! – 6 Fragen an Dr. Dirk Bessau 

Thorsten Klaus: Was ist – aus Ihrer persönlichen Sicht – das Wesentliche guter Führung?

Dr. Dirk Bessau: Ein Gleichgewicht zwischen Empathie, Zielorientierung und Kommunikationsfähigkeit.
Gute Führung orientiert sich am Mitarbeitenden, seinen individuellen Fähigkeiten, seiner individuellen Leistungsbereitschaft und -fähigkeit. Gute Führung hat eine Vorstellung von den zu erreichenden Zielen und den Etappen dorthin. Gute Führung ist dann vor allem gute Kommunikation – ein Austausch mit dem Einzelnen aber auch dem Team auf fachlicher wie menschlicher Augenhöhe. Möglicherweise ist selbst dies zu begrenzt. Und möglicherweise gelingt gute Führung nur auf Zeit.

Thorsten Klaus: Was ist wesentlich für die Gestaltung von leistungsfähigen und zugleich Sinn ermöglichenden Organisationen?

Dr. Dirk Bessau: Aus meiner Sicht ist ein sich ergänzendes, entwickelndes Zusammenspiel der Unternehmenskultur und der einzelnen MitarbeiterInnen entscheidend. Letztlich geht es in einer Organisation immer um sich verändernde Umfelder und um das langfristige Überleben. In einem Unternehmen bezieht sich dies meist auf eine deutliche Gewinnerzielung mit anderen Zielen wie Marktstärke, Produktentwicklung, Erschließung von Kundensegmenten oder ähnliches.
Unter diesen allgemeinen Rahmenbedingungen ist die Unternehmenskultur und deren Gestaltung zentral für Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft und einer Sinnstiftung im Sinne von Antworten auf die Fragen: „Warum ist der Unternehmen tätig und wettbewerbsfähig?“, „Was sind die nächsten Unternehmens- und meine direkten Bereichsziele?“, „Was ist mein Beitrag dazu“ und „Woran werde ich dazu passend gemessen“.
Dem ergänzend muss die individuelle Ebene der einzelnen Mitarbeiter hier konstruktiv der Zielerreichung beitragen und die Organisation mit weiterentwickeln. Weder die Unternehmenskultur alleine kann dauerhaft Leistungsfähigkeit und Sinnstiftung schaffen noch können einzelne MitarbeiterInnen ohne diesen Rahmen – vor allem unter der heutigen Dynamik – Leistung bringen und Sinn sich selbst „entwickeln“.

Thorsten Klaus: Was erleben Sie im Moment als die wesentlichen Herausforderungen für Ihre Organisation und Branche?

Dr. Dirk Bessau: Eine andauernde und bereits sich länger vollziehende Transformation der Branche hin zu einem stärker Dezentralen, CO2-Emissionsfreien, auf Erneuerbaren basierenden, durch Digitalisierung durch und durch geprägten Energiesystem. Zudem wird dieses zukünftige Energiesystem von Energieproduktion geprägt, die zu Grenzkosten von praktisch Null anbieten werden (PV und Wind) – dies wird nachhaltige Konsequenzen für den Erzeugungsmarkt und damit Energiekosten haben. Dies führt darüber hinaus zu einem steigenden Bedarf anders qualifizierter Mitarbeitern und Führungskräften.

Thorsten Klaus: Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Antworten auf diese Herausforderungen?

Dr. Dirk Bessau: Die Energiebranche muss noch innovationsfähiger und flexibler werden. Es werden sich mehr kleinere und mittlere, dynamischere und flexiblere Unternehmen etablieren und durchsetzen. Junge Unternehmen und Startups werden eine dauerhaft prägende Rolle spielen. Junge Menschen für die Branche und diese Herausforderungen zu begeistern wird elementar werden – die Konkurrenz durch IT- und Medienberufe ist stark.
Zudem wird es wichtig werden noch mehr Risikokapital in diese Industrie zu bekommen, da Frühphasenfinanzierungen durch VC und strategische Investoren noch immer zu wenig ausgeprägt ist und dieses Kapital zur Zeit massiv in IT- und Internet-Innovationen fließt.

Thorsten Klaus: Was ist für Sie wesentlicher Antrieb für Ihr berufliches Schaffen?

Dr. Dirk Bessau: Werte der Nachhaltigkeit und sinnvoller Arbeitsziele und Arbeitsinhalte, ein Gestaltungswille und schließlich Innovationsbereitschaft/-freude.

Thorsten Klaus: Eine persönliche Frage zum Abschluss: Was ist für Sie wesentlich für ein gutes, erfülltes und sinnstiftendes Leben?

Dr. Dirk Bessau: Balance zwischen Beruf, Leistung, Freunden, Liebe und Familie, Freizeit und Kultur, gesellschaftlichem/ehrenamtlichem Engagement sowie Müßiggang – und eine große Portion Humor und Humanismus. Ich glaube man muss mehr weggeben und loslassen als an sich ziehen und erreichen wollen.