Name:
Andreas Lüttig
Organisation:
Evangelisches Johanneswerk, ein Unternehmen in der Sozialwirtschaft mit den Schwerpunkten Alten- und Behindertenhilfe; ca. 6.500 Mitarbeiter
Funktion:
Geschäftsführer der Region Bielefeld-Gütersloh, die 10 stationäre Altenhilfeeinrichtungen und einen ambulanten Dienst umfasst.

WESENTLICHES?! – 6 Fragen an Andreas Lüttig

Thorsten Klaus: Was ist – aus Ihrer persönlichen Sicht – das Wesentliche guter Führung?

Andreas Lüttig: Gute Führung ist daran zu erkennen, dass sehr gute Ergebnisse mit einem geringen Einsatz von Machtmitteln seitens der Führungskraft erzielt werden. Grundlage dafür sind viele Feed-Back-Schleifen, eine Kompetenz- und Chancenorientiertheit der Führungskraft und ein hoher Partizipationsgrad gepaart mit einer transparenten Informationspolitik. Förderlich ist zudem ein systemischer Blick der Führungskraft auf seine zu führende Organisationseinheit, um die Komplexität angemessen analysieren und entsprechend intervenieren zu können.

Thorsten Klaus: Was ist wesentlich für die Gestaltung von leistungsfähigen und zugleich Sinn ermöglichenden Organisationen?

Andreas Lüttig: Eine leistungsfähige Organisation braucht eine angemessene Aufbauorganisation, eine effiziente Gestaltung der Arbeitsprozesse und eine daran ausgerichtete effiziente Kommunikationsstruktur. Ob in einem Unternehmen die Arbeit sinnvoll erlebt wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: werden die Ziele, die das Unternehmen verfolgt, als sinnvoll angesehen? Welche Werte sind grundlegend für die Zielverfolgung und die Zusammenarbeit? Wieviel Partizipation ist für die Mitarbeiter erlebbar und wie zerstückelt sind die Arbeitsprozesse? Je positiver diese Faktoren im Unternehmensalltag von den Mitarbeitenden erlebt werden desto sinnvoller werden sie ihre Arbeit einschätzen.

Thorsten Klaus: Was erleben Sie im Moment als die wesentlichen Herausforderungen für die Altenhilfe?

Andreas Lüttig: In der Altenhilfe wird es in den nächsten Jahren um eine Vernetzung ambulanter und stationärer Angebote gehen sowie darum, auf einem kleiner werdenden Mitarbeitermarkt Mitarbeiter zu rekrutieren. Im stationären Bereich wird die Fluktuation von Bewohnern weiter zunehmen und damit eine weitere Arbeitsverdichtung stattfinden. Kurz: die Anforderungen an die Mitarbeiter werden mehr und die Komplexität wird weiter zunehmen.

Thorsten Klaus: Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Antworten auf diese Herausforderungen?

Andreas Lüttig: Die Aufbauorganisation in der Altenhilfe hat sich in den letzten 30 Jahren nicht verändert, die Anforderungen an die Einrichtungen hingegen grundlegend. Hier werden die Träger neue Organisationsformen entwickeln müssen, die sich an den agilen Organisationsformen in der Wirtschaft orientieren werden. Erste Beispiele dafür gibt es in den Niederlanden. In der Führung, v.a. ab der Hausleitungsebene aufwärts, wird es darum gehen, dass Generalisten Fachexperten führen. Hier werden das Setzen von Rahmen, Begleitung, Coaching und das Schaffen von Räumen zur Reflexion und zur Wissensentwicklung zentrale Führungsaufgabe werden.

Thorsten Klaus: Was ist für Sie wesentlicher Antrieb für Ihr berufliches Schaffen?

Andreas Lüttig: Für mich ist es wichtig, an etwas zu arbeiten, bei dem ich das Gefühl habe, dass es sinnvoll ist. Deshalb arbeite ich im sozialen Bereich. Ich möchte mich bei der Arbeit fachlich und persönlich weiterentwickeln und mein Potenzial möglichst wirksam in eine gemeinsame Organisationszielsetzung einbringen.

Thorsten Klaus: Eine persönliche Frage zum Abschluss: Was ist für Sie wesentlich für ein gutes, erfülltes und sinnstiftendes Leben?

Andreas Lüttig: Zentrale Aspekte für ein derartiges Leben sind für mich:
a. Ein gutes und bejahendes Verhältnis zu mir selbst und zur Welt
b. Gelingende soziale Beziehungen
c. Selbsterkenntnis, um eigene Potenziale zu erkennen und als Voraussetzung, andere Menschen zu verstehen
d. Möglichst gut mit inneren Ambivalenzen und inneren Konflikten umgehen zu können
e. Entfaltung der eigenen Potenziale
f. Lebenslanges Lernen
g. Die schönen Dinge des Lebens genießen zu können